Eine Familienfeier im Gemeindesaal? Keine Zeit. Ein Skatabend mit Freunden in der Kneipe? Ich muss arbeiten. Ein Konzert in der Kirche? Keine Lust. Diese Situationen sind für Menschen, die nicht mehr gut hören, eine Qual. Sie überhören vieles, fragen oft nach, bis sie es aufgeben und solche Anlässe komplett meiden, und manchmal richtig vereinsamen. Dabei wäre die Lösung so einfach: ein Hörgerät – und schon wären sie wieder mittendrin im Leben. Doch den meisten fällt diese Entscheidung nicht sehr leicht, weil sie sich die Schwerhörigkeit nicht eingestehen wollen.

Günter Steinmeier, Vorsitzender des Fachverbandes Deutscher Hörgeräteakustiker, weiß das aus eigener Erfahrung: „Der Hörverlust kommt schleichend. Man denkt, dass man alt wird. Und ein bisschen Schamgefühl ist auch dabei.“ Außerdem haben viele noch eine völlig veraltete Vorstellung von Hörgeräten: „Sie pfeifen, sind groß, teuer und sind miederfarben. Doch mittlerweile sind Hörgeräte kleine High-tech-Computer, die unauffällig im oder hinter dem Ohr sitzen.“ Steinmeier trägt selbst eines seit drei Monaten und ist ganz begeistert: „Ich hätte das schon vor acht Jahren machen sollen. Man hört einfach wieder viel entspannter, und ist entspannter im Alltag.“ Das gilt besonders für Menschen, die mitten im Berufsleben stehen. Sie sollten sich rechtzeitig damit auseinandersetzen. Denn häufig erschweren Hintergrundgeräusche wie Computer, Drucker, Kopierer, Stimmengewirr, Radio oder Telefongeklingel das Hören und Verstehen. All das lässt sich erleichtern, in dem man offen über sein Hörproblem spricht und etwas mehr Ruhe am Arbeitsplatz schafft. Das Wichtigste aber ist das Hörgerät selbst.

Zunächst stellt ein Ohrenarzt eine altersbedingte Schwerhörigkeit fest. Dann schickt er den Patienten zum Hörgeräteakustiker. „Dieser fragt den Alltag des Patienten ab: Welchen Beruf übt er aus? Welche Hobbys hat er, besucht er zum Beispiel gerne Konzerte? Was kann das Ohr noch verarbeiten? Wann ist es zu laut, und wann lässt die Verständlichkeit nach?“, erzählt Steinmeier. Aufgrund der persönlichen Angaben und spezieller Tests wählt der Fachmann drei bis vier Geräte aus, die in seinem Geschäft getestet werden. „Dazu werden verschiedene Situationen wie Fußballstadion, Straßenverkehr, Büro oder Kneipe über Fernseher und Dolby Surround simuliert.“ Schließlich bekommt der Patient ein Gerät mit nach Hause. Dort soll er sich im Alltag bewegen und aufschreiben, wo er Probleme hat. Danach richtet sich die Feinjustierung: „Je nach Preislage haben die Geräte ein bis vier Hörprogramme, zum Beispiel fürs Büro, für die Kneipe, für Zuhause und fürs Kirchenkonzert.“ Wichtig ist die Inspektion, betont Steinmeier: „Alle sechs bis neun Monate sollte man das Hörgerät prüfen lassen. Passt die Feinabstimmung noch? Oder ist die Schwerhörigkeit stärker geworden? Dann wird das Gerät gereinigt und, wenn nötig, Schläuche ersetzt.“ Mehr Infos: www.wirsindhoeren.de

Artikel aus: Superfreizeit Nr.1 / 2012 | Autorin: Silke Lorenz